Impressionen

"Kermisdahl - Wetering"

Brasilianische Vögel

Gemälde aus dem Festsaal der Hoflössnitz

Ansicht der Hoflössnitz vom Südosten

Unerklärt bleibt in den übersehbaren Dokumenten, durch welche Fügung unsere 80 Leinwände mit minutiös ausgeführten Abbildungen brasilianischer Vögel zuletzt ihren Platz im Bilder-Programm für den Festsaal der HOFLÖSSNITZ erhielten, deutlich beschnitten meist, unter vergoldeten Zierleisten in die Felder der Holzdecke gefügt, farbenfroh leuchtend über den betulich-allegorisierenden Lobpreisungen obrigkeitlicher Tugenden, die im übertreibender^ Verständnis des Frühbarock sich mit Sprüchen noch schmücken und erklären wollen.

Bis in die 1960er Jahre wurden Schulklassen diese Vögel als Fabelwesen vorgeführt, wohl der klangvollen, uns unverständlichen Namen wegen und ihres grellen Kontrastes zu vielen zart gemalten Details der Landschaften, die mit Kirchen, Hütten, Galgen und Gebirgen eher vertraut wirken! Auch die Nebenräume finden wir mit naheliegenden Bezügen zum kurfürstlichen Paar ausgemalt: Putten und Sibyllen für Sie - Trophäen der Jagd und des Fischfangs für Ihn; und der Blick durch viele Fensterfelder schweift wie über ein natürliches Bild seit Jahrhunderten über das Weinland der Lössnitz-Hänge im Norden und in dunstige Weiten des Elbtales im Süden. 

Entstanden sind die Vogelbilder mit Gewißheit als Nachklang der Brasilienexpedition, die Moritz von Nassau-Siegen als Admiral und Gouverneur der Westindischen Kompagnie im Auftrage der Kolonialmacht Holland 1637-1644 in die Neue Welt führte - von der er zurückkehrte mit der wohl umfangreichsten naturkundlichen Forschungssammlung, die je in einer Ladung nach Europa bewegt sein soll! Zur wissenschaftlichen Begleitung des Unternehmens gehörten die holländischen Maler Frans Post und Albert Eyckhout, von denen letzterer bisher als Schöpfer der Gemälde gilt, denn 1653 wurde er für zehn Jahre in sächsischen Dienst empfohlen. In Krakow sind Skizzenbücher dieser Reise aufbewahrt, in denen Motive nach dem Leben gezeichneter Vögel deutlich zu unseren Bildern weisen. 1650 wurde das Berg- & Lusthaus beim herrschaftlichen Weingut HOFLÖSSNITZ fertiggestellt und es wäre eine mögliche Vermutung, daß der Fürst Joh. Georg II. die abgeschlossene Bilderfolge schon des modisch-exotischen Reizes wegen übernommen habe - oder mangels anderer Aufträge sie erst hat zuendeführen lassen ... Wir wissen es nicht.

Abbildungen

(Die Nummerierung folgt der Annordnung der Gemälde in den 80 Feldern der Kassettendecke)

TIEPIRANGA / IAPUIUBA

Scharlachtangara / Stärling (72)

92 x 74

MACOARA

Sichler (60)

89 x 72

IAPU

Trupial (63)

90 x 74

ARARA

Hellroter Ara (9)

92 x 73

CARIPIRA

Fregattvogel (1)

93 x 74

GUARA

Roter Sichler (13)

92 x 74

TAMATIGUACU

Kahnschnabel (57)

88 x 71

CARIAMA

Schlangenstorch (21)

90 x 72

QUINGUOANQUI

Roter Flamingo (15)

91 x 74

AGUAPEACOCA

Jassana (23)

90 x 72

POTIRIGUACU

Höckerglanzgans (73)

92 x 74

GUIRACOCO

Pfefferfresser (38)

90 x 72

Herausgegeben vom Museum HOFLÖSSNITZ
Leitung Ingrid Zeidler
HOFLÖSSNITZ, Knohllweg37, 8122 Radebeul, Tel. (051) 75616
Idee, Photographien, Gestaltung, Text: Matthias Blumhagen
Nr. 4861 Verlag Schnell & Steiner, München

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