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"Kermisdahl - Wetering"

NRZ, "Wir am Niederrhein", vom 30. Juni 2007

Der verborgene Schatz

HISTORIE. Klever Bürger wollen den prächtigen Landschaftspark des Prinzen Johann Moritz von Nassau - Siegen wiederbeleben.

ANDREAS GEBBINK

Dieser Anblick war überwältigend. Als Prinzessin Luise 1791 zum ersten Mal nach Kleve kam, war sie begeistert: „Die Aussicht ist voller Schönheit" notierte die spätere Königin von Preußen in ihr Tagebuch Und die "Gärten, die waren „göttlich, wahrhaft göttlich". Der Lustgarten am Prinzenhof mit seiner Orangerie, den vielen südamerikanischen Pflanzen und die in Form geschnittenen Hecken, der Blick auf die prachtvollen Alleen zum Papenberg, der Sternberg mit seinem Amphitheater sowie die wunderbaren Straßen, die zur Schwanenburg führten: AIl dies machte Kleve im 17. Jahr hundert zu einer zauberhafter Gartenstadt, umgeben von einem einzigartigen Landschaftspark.

Was einst Prinzessin Luise so begeisterte, ist heute ein Traum für viele Klever Bürger Sie wünschen sich, einen Teil dieser großartigen Anlagen, die der geniale Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen in 30 Jahren hinterlassen hatte, wiederzubeleben. Die Gärten, einst Wahrzeichen der Stadt, waren die ersten künstlichen Gartenanlagen in Deutschland. Am Museum Kurhaus hat man das Amphitheater und den Forstgarten rekonstruiert, auch das Prinz-Moritz-Grab wurde wiederherstellt. Aber vieles ist verschwunden.

Ein Glücksfall für Kleve

Gerlinde Semrau-Lensing möchte das Unmögliche versuchen. Seit vier Jahren setzt sich die Kleverin mit vielen engagierten Bürgern im Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering für das kulturhistorische Erbe ihrer Stadt ein, „ein enormer Schatz, der verborgen ist". Denn was der Arbeitskreis letztlich vor hat, ist nichts weniger als die Belebung eines 'Landschaftsparks Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen'. Viele hat man für diese Idee schon begeistern können.

Johann Moritz sei für Kleve ein Glücksfall gewesen. In ihrem Büro liegen Schriften, Karten und historische Ansichten, die die Pracht von damals dokumentieren. „Die Strukturen, die er angelegt hat, sind noch zu erkennen." Nichts habe er dem Zufall überlassen. Prinz Johann Moritz ließ von seinem Architekten Jacob van Campen Sichtplätze und Sichtachsen erschaffen, die die Landschaft ordneten. Immer im Zentrum: die Schwanenburg.

Der Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering möchte in kleinen Schritten die Wanderwege, die drei Alleen, Schneisen und Sichtplätze zwischen Kermisdahl und Papenberg wiederherstellen. Geschafft hat man bereits eine ganze Menge. Etwa die Freilegung des zugewucherten Kermisdahls, ein ehemaliger Altrheinarm, der von der Schwanenburg bis zum Freudenberg führt. Noch in diesem Jahr wird das Gewässer entschlammt und von herabgestürzten Bäumen vollständig befreit.

Entlang dieses Flusses verläuft der Prinz-Moritz-Weg, ein Rad- und Fußweg, der über den Voltaire-Weg bis zum Schloss Moyland führt und ein Teil der Via Romana und des Jacobsweges wird. Auch hier sind die Klever schon vorangekommen. Im August 2005 wurde die kleine Luisenbrücke eröffnet, die den Kermisdahl mit den Galleien und dem Freudental verbindet. Über eine Birnbaumallee führt der Weg zur Klever Ringstraße. Hier wird zurzeit für 150.000 Euro ein Rad- und Wanderweg zum Papenberg in Bedburg-Hau erstellt. Im Oktober soll er eröffnet werden.

Am Fuße des Papenbergs befindet sich das so genannte Moritz-Grab und vom Hügel aus genießt man einen wundervollen Blick auf die Schwanenburg und Hoch-Elten. Auch das ist dem Arbeitskreis zu verdanken, der 2005 dafür sorgte, dass die zugewachsenen Sichtachsen wieder freigelegt wurden. „Früher führte hier auch noch eine Allee zwischen Schwanenburg und Papenberg hindurch", erklärt Semrau-Lensing. Auch diese noch fehlenden Baumreihen möchte der Arbeitskreis pflanzen.

Der größte Traum bleibt allerdings die Herstellung des Lustgartens am Prinzenhof, den Prinz Johann Moritz zwischen 1664 und 1671 hat anlegen lassen. Heute befindet sich am Prinz-Moritz-Park die Kreisverwaltung. „Wir wollen langfristig zurückholen was machbar ist", sagt Semrau-Lensing.

Zurückholen, was machbar ist

Unmöglich ist das nicht. Wilhelm Diedenhofen, der wohl beste Kenner der Klever Gärten, schreibt in einem Aufsatz (passwortgeschützter Bereich, Zugang nur für Mitglieder des Klevischen Vereins), dass zumindest die Grundzüge wiederherzustellen sind. Der Lustgarten bestand aus einem großen und einem kleinen Baumgarten, einer Orangerie und einem Broderieparterre. „Die Hängegärten wird man wohl nicht herstellen können", glaubt Semrau-Lensing.

Bis man wirklich von einem Klever Landschaftspark sprechen kann, wartet auf den Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering noch viel Arbeit. Gerlinde Semrau-Lensing wird nicht müde zu betonen, dass dies nur dank der guten Zusammenarbeit mit Behörden und Verwaltungen möglich ist und weil sich viele Bürger engagieren. Sie glaubt an das große Ziel: „Denn wenn man jetzt nichts macht, ist es irgendwann vorbei. Worauf warten wir also?"

Den großen Plan verwirklichen

DENKMAL. Für die Rekonstruierung der Klever Gärten setzt der Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering auf Bürgerbeteiligung.

KLEVE. Die historischen Parkanlagen an der Klever Schwanenburg wurden schon zum Teil restauriert. 1979 wurde das Moritz-Grab am Papenberg wiederhergestellt. Prinz Johann Moritz von Nassau hatte in Kleve drei Grabstätten errichten lassen. Kurz vor seinem Tod änderte er allerdings sein Testament. Sein Grab befindet sich heute in Siegen.

Von 1988 bis 1991 wurden die Alleen am Großen Kanal vor dem Kurhaus erneuert und 1997 erfolgte der Laubengang des Amphitheaters. 2002 wurde im Forstgarten der Inselweiher rekonstruiert. Im Forstgarten, ganz in der Nähe des Kurhauses, befinden sich heute zahlreiche Baumarten aus der ganzen Welt. Das Amphitheater und der Forstgarten wurden 2004 als herausragende Beispiele in die Straße der Gartenkunst aufgenommen.

Der Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering, dem unter anderem auch die Ehrenbürger Karl Kisters und Fritz Leinung angehören, nehmen vor allem die Gärten und Wege im Süden der Stadt in den Blick. So sollen Aussichtspunkte gekennzeichnet und ein Informationsblatt zum Alten Park und Königsgarten-Galleien erstellt werden.

Gestern wurde in Kleve ein weiterer Teil der großen Landschaftspark-Idee eröffnet: Eine Birnenallee, die zur Klever Schwanenburg führt. (AG)

Informationen: www.kermisdahl-wetering.eu. Und: Gerlinde Semrau-Lensing, Tel. 02821/27089 oder auch Alwine Strohmenger-Pickmann, Tel. 02821/14208.