Nachrichten

"Kermisdahl - Wetering"

Warum „Voltaire-Weg zum Schloss Moyland - von Kleve aus ?"

2003 stellte eine Klever Bürgerin einen Bürgerantrag bei der Stadt Kleve mit dem Ziel, eine Wegeverbindung von der Schwanenburg bis zum Moritzgrabmal herzustellen – und  fußläufig auch eine durchgehende Verbindung zum Schloß Moyland anzulegen (vorhandene Wege nutzend,  fehlende neu anzulegend).

Nach positivem Ergebnis des Bürgerantrages gründete sich in 2004 der Arbeitskreis „Kermisdahl-Wetering“, dessen Ziel die Wiederherstellung und Pflege  der bedeutenden Landschafts- und Gartenkunst des Johann Moritz (1647 bis 1679) für Kleve und seine Umgebung war und immer noch ist. Weitere Ziele – bis nach Moyland reichend – wurden formuliert, stets gemeindenübergreifend.

Die Gruppe setzt sich zusammen aus interessierten sachkundigen Bürgern und Behördenvertretern - sie repräsentiert ca. 10.000 Bürger.

Das Gebiet, mit dem sich der Arbeitskreis seither befaßt reicht südöstlich von Kleve bis nach Moyland.  Es liegt an den Gewässerläufen  „Kermisdahl und Wetering“, der Name des Arbeitskreises bezieht sich darauf.

Durch  Ausstellungen, Pressetermine und -mitteilungen, Vorträge,  Flyer  und Führungen konnte das Bewußtsein für die landesbedeutsame Kulturlandschaft – vor allem wegen der frühen beispielgebenden Gartenkunst  vom  Arbeitskreis  in die Bevölkerung getragen werden.

„Sichtachsen“ z.B. sind uns heute wohl ein Begriff, damals waren sie revolutionär. Die Alleen sind gleichsam wie ein Ordnungs- und Verbindungssystem zu sehen. Auch das war neu.

Die Aufgabenstellung ist von Beginn an  „gemeindenübergreifend“ benannt worden.

Die Schwanenburg in Kleve, ebenso wie die Wasserburg Moyland, sind  kulturelle und heimatliche Wahrzeichen der Bürger vor Ort. Wie sehr sie auch geschichtlich zusammenhängen,  hat  der Arbeitskreis durch die Projektarbeit erfahren. (Ausstellungen und Veranstaltungen 2007 im Moyländer Schloß sind hier zu nennen).

Warum Voltaire-Weg ?

Um die Förderanfragen bei der Euregio Rhein-Waal für die beiden Gebietsabschnitte  in Kleve und Bedburg-Hau „längs der Via Romana“ deutlich beim Namen zu nennen, ergab sich für den  Klever Landschaftspark ganz selbstverständlich,  den neuangelegten Weg nach dessen Schöpfer Prinz-Johann-Moritz von Nassau-Siegen „Prinz-Moritz-Weg“ zu benennen. Mit seinem Architekten Jacob van Campen schuf er eine einmalige Parklandschaft, indem er die bereits natürlich vorhandenen Elemente Wald, Wiesen und Wasser, Höhen und Niederungen mit Hilfe der Gartenkunst verschönerte. Alleen und Wassergräben strukturierten  seitdem – meist als geometrische Muster – die einmalige Landschaft.

Als die Wegeplanungen für den Anschluß vom Moritzgrabmal zum Schloß Moyland  Kontur annahmen, lautete ein Beratungspunkt des Arbeitskreises: Namensgebung des Wanderweges bis zum Schloß Moyland. Zufällig tagte der AK im Hotel Hünnekes in Berg und Tal, nahe dem „Moritzgrab „ am Papenberg.

Der Vorschlag „Alexander von Spaen“, Stellvertreter von Johann Moritz  (wenn dieser durch Auslandreisen nicht auf der Schwanenburg verweilte), seine Verdienste im Preußischen und in Frankreich, der Erwerb des Schlosses Moyland und seine Verdienste für Kleve und die Region wurden beim Namen genannt. Jedoch  „Voltaire“ war der zündende Gedanke für die Namensgebung des neuen Weges – er wurde einstimmig angenommen und  als Antrag an die Gemeinde Bedburg-Hau formuliert.

Das erste Treffen von Friedrich II. und Voltaire  am 11.9.1740 auf Schloss Moyland war allen bekannt. Es ist als bedeutsam in die Geschichte eingegangen.

Friedrich II. war 1763 ein zweites Mal in Kleve. (Im Tagebuch des Alexander Sweder van Spaen, Neffe des Alexander von Spaen, Moyland, ist der Besuch auf der Bellevue in Kleve genaue beschrieben, Quelle: Die Bellevue). Ob Voltaire und Friedrich II. sich auch auf der Bellevue getroffen haben, ist uns nicht gesichert bekannt – es ist  wohl erzählt worden.

Der Beginn  einer Freundschaft für weitreichende Impulse zwischen den beiden Persönlichkeiten - einem absolutistischen Herrscher und einem aufgeklärten Freigeist - liegt in Moyland. Symbol - Charakter für den Aufbruch in eine neue Zeit (2008 - Prof. Jutta Limbach  „Die Fremdheit zwischen Geist und Macht“).

Planung Friedrich II. und Voltaire: Eine Philosophenschule sollte in Moyland entstehen.

Warum von Kleve nach Moyland ?  Kleve war Herzogtum, ehemaliger Sitz der  Klever Herzöge und danach westlichste Residenz von Brandenburg / Preußen.  Die Geschichte von Moyland beginnt in Kleve.

AK Hinweis: Ideale Wander-Zielpunkte „längs der Via Romana“ durch herrliche landesbedeutsame Kulturlandschaft sind die Museen  von Kleve und Moyland.

Wir freuen uns über jeden Wanderer auf den schönen  gemeindenübergreifenden  Wegen. Das bedeutsame Moritzgrabmal ist dadurch aus seiner „ peinlichen Verlorenheit“ befreit und wir – der Arbeitskreis  Kermisdahl-Wetering – sind allen Beteiligten dankbar dafür,  einen Mehrwert für unsere Region gemeinsam erreicht zu haben.

Findlinge am Voltaire-Weg:

Um die gemeinsame erdgeschichtliche Entstehung des Gebietes zwischen Xanten und Nymwegen bewußt zu machen,  hat der Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering die Auslegung von Findlingen entlang des Voltaire-Weges  als weitere Orientierungshilfen geplant.

Die Endpunkte unserer Via Romana Xanten-Nimwegen stehen gleichzeitig für die gemeinsame Sorge gegen Hochwasser. Das Gebiet zwischen Rhein-Maas / Landschaftsplan Gocher Heide – ist in Bezug auf die eiszeitliche Formung der Landschaft von großer Bedeutung.

Steinmetzmeisterbetrieb Josef Tripp aus der Gemeinde Bedburg-Hau hat das Behauen mit Schrift und Hinweiszeichen durch seine Werkstatt bereits zugesagt.

Der Arbeitskreis  Kermisdahl- / Wetering bittet die Bürgerschaft um Spenden für das Behauen der Findlinge. (Beispiele sind im Historischen Landschaftspark des Prinzen Johann Moritz an verschiedenen Stellen des Parks zu sehen)

Die Findlinge werden erfragt von Kiesgruben aus dem Gebiet Rhein bis Maas und von Xanten bis Nimwegen. Nach Zusage von Bürgermeister Peter Driessen werden die Findlinge vom Bauhof der Gemeinde Bedburg-Hau  bei den Kiesgruben abgeholt.

Zusatz: Bereits 2004 hat es unmittelbar nach der Bestätigung des Bürgerantrages durch die Stadt Kleve ein Treffen mit Bürgermeister Hans Geurts im Rathaus der Gemeinde Bedburg-Hau gegeben.

Inhaltlich wurde die Wegeführung vom Papenberg bis zum Schloß Moyland angesprochen. Nach Einsicht in Landkarten wurde wegen der besonderen Schönheit und des besonderen Erlebnisses für Besucher auch die Thujen-Allee hinter Schloss Moyland als ein späteres wünschenswertes Projekt angesprochen und skizziert. Es könnte sich so ein sehr schönes  kleineres Wanderkarree ergeben („Van Spaen - Alleenwinkel“ könnte das Andenken bewahren helfen).

Als eifrige Tennisspieler des Land-Tennis-Clubs Schloß Moyland kannten wir die örtliche Situation sehr gut.

Text: G. Semrau-Lensing für den Arbeitskreis www.kermisdahl-wetering.de

Anlagen: Lebenslauf Alexander von Spaen

Annekdote: Voltaire und Klever Ratsherr

Alexander van Spaen, 1619 - 1692

1619

Geboren auf dem elterlichen Gut Kreuzfurth bei Kranenburg.

Alexander von Spaen

 

Lernte später am Hof des holländischen Statthalters Hendrik van Oranje auch den späteren klevischen Statthalter Graf Johann Moritz von Nassau-Siegen und nach

1632

den brandenburgischen Kurprinz Friedrich-Wilhelm  (dem späteren Großen Kurfürsten) kennen.

1652

Steile Karriere in brandenburgischen Diensten.

1655

Erbte Haus Ringenberg bei Wesel.

1661

Alexander van Spaen wurde durch Kaiser Leopold in den Reichsfreiherrenstand erhoben.

1662

Van Spaen erwarb Schloß Moyland und baute Schloß Moyland und Haus Ringenberg um.

1666

Wurde er Stellvertreter des Statthalters Johann Moritz von Nassau-Siegen in Kleve.

33

Jahre sollte die Herrschaft des Freiherrn Alexander van Spaen und seines Sohnes Friedrich-Wilhelm van Spaen dauern - Jahre, die für Schloß Moyland entscheidend waren.

1752

Reichsfreiherr Alexander Sweder van Spaen Herr von Ringenberg, Hamminkeln u. Hardenstein kaufte in Kleve die Konradsburg, die danach zu Haus Bellevue umbenannt wurde. Die Familie van Spaen trug mit zur Blütezeit dieses Hauses bei. Sie beherbergten den Hochadel in dieser Zeit.

Weitere Info: „Voltaire-Weg“ vom 24.07.2009

Im Antrag auf Förderung des Besucherleitsystems an die NRW-Stiftung Düsseldorf hat der Arbeitskreis noch folgende Aspekte mit aufgeführt:

„In Qualburg (Nähe Papenberg) finden sich Funde römischer Besiedlung. Um Moyland sind Hügelgräber an der Berk`schen Straße in Richtung Kalkar dokumentiert.

Ein großes Spannungsfeld der Geschichte, der Kultur und damit der Heimat tut sich von den Römern bis heute auf und soll für die Bürger und Besucher auch touristisch genutzt werden.

Erst 1695 erwarb Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg  (ab 1701 Friedrich I., König in Preußen) das Schloß Moyland. Die preußischen Könige, die gleichzeitig Landesherren im Klevischen waren, bevorzugten das Schloß gegenüber der Schwanenburg in Kleve vor allem bei ihren Jagd-Aufenthalten am Niederrhein – ihrer Westprovinz.

Kurfürst Friedrich Wilhelm I. erließ 1646  eine Postordnung, wonach die Brandenburg - Preußische Staatspost gegründet wurde – die Postlinie Kleve - Berlin - Königsberg. Post - Fußboten, Postreiter und Postkutschen nahmen in der Entwicklung der Wegemöglichkeiten ihre Route auch durch bzw. entlang des Moyländer Waldes. Regelmäßige Postkutschen - Fahrpläne verbanden die Region mit den großen Städten in Nord, Süd und Ost.

In der Mitte des 19.Jh. erhielt Schloss Moyland sein englisches Äußeres. Windsor Castle und Hampton Court lieferten dem Kölner Dombaumeister E.F. Zwirner die Vorbilder für den Umbau im historischen Tudorstil. Dass Anna von Cleve 1540 Gemahlin von König Heinrich VIII. von England wurde, ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass  Winston Churchill auf Moyland nach dem II. Weltkrieg das Hauptquartier der Engländer besuchte.

Der entlang des bzw. durch den Moyländer Wald führende „Alte Postweg“  Kleve - Berlin - Königsberg brachte wirtschaftliche Anbindung und interessante Gäste nach Kleve (z.B. 1791 Luise Prinzessin von Mecklenburg - Strelitz, spätere Königin Luise von Preußen, auf ihrer Reise an den Niederrhein und nach Holland).

Die Gemeinde Bedburg-Hau pflegt seit 1996 freundschaftliche Beziehungen zu La Ferte-Gaucher durch die Gesellschaft für europäische Begegnungen.

Gegenseitige Besuche finden seither jährlich statt. Auch die Nachbarstädte Kleve und Goch pflegen freundschaftliche Beziehungen zu Frankreich durch lebendige Partnerschaften.

In 2008 waren die französischen Partner aus la Ferte-Gaucher  hier in Bedburg-Hau zu Gast. Mit großem Interesse ist u.a. die Führung durch den „Historischen Landschaftspark des Prinzen Johann Moritz“ und das Studium der dort aufgestellten Infoschilder von den Gästen aufgenommen worden. Einigen war die Rangstellung  des Fürsten Johann Moritz in der frühen europäischen Gartenkunst des 17.Jh. bekannt (und die fachlichen Empfehlungen an den Gärtner von Versailles).

Besondere Privat-Gärten – mal  näher – mal etwas weiter ab gelegen – öffnen seit Jahren regelmäßig ihre Gartenpforten zur Anregung und Erbauung über die Gemeindengrenzen hinweg und werden von der Touristik beworben. Studienfahrten in die klassischen Gärten nach Holland, Südengland und Frankreich sind von Kleve und Bedburg-Hau aus sehr beliebt.

Der Bekanntheitsgrad der Wanderroute Moyland - Kleve (aber auch großräumig Xanten - Nimwegen) ist über Flyer, Anzeigen in den Printmedien sowie über das Internet gesteigert worden. Ein aussagekräftiger, in mehreren Sprachen aufzulegender Flyer wird sowohl die Menschen im Euregio - Gebiet, als auch Touristen von weiter her ansprechen.

Niederländische, (französische ?) und deutsche Schulen werden detaillierte Informationen und fundiertes Material für einen geschichtlichen Ausflug an den Niederrhein erhalten. Die Internetseiten der Gemeinde Bedburg-Hau und der Stadt Kleve werden die Informationen zum Besucher - Infosystem überdies zum Download anbieten. Die Museen können dieses kulturelle Herzstück zwischen Xanten und Nimwegen / Nijmegen touristisch vielfältig und anspruchsvoll nutzen.

Die Wanderroute (Rückfahrt oder Ergänzung mit Linienbus RVN  44 ist möglich) wird außerdem in vorhandene Pauschalangebote eingebaut und kann sowohl von Individualreisenden als auch von Gruppen erwandert werden. Schon jetzt sind die Wanderwege zwischen Kleve und Moyland auch Wege der Begegnung über die Grenzen.

Für spezielle Gruppenprogramme stehen ausgebildete, niederländisch- und englischsprachige Touristikführer zur Verfügung. Durch Mailings an Busreiseveranstalter wird der Gruppenreisemarkt auf den Voltaire-Wanderweg aufmerksam gemacht.

Die  touristische Vermarktung und der konkrete Vertrieb werden von der Gemeinde Bedburg-Hau und der Stadt Kleve, aber auch vom Projekt 2-Land, der Via Romana und dem Niederrhein Tourismus übernommen. Rückmeldungen z.B. aus Saarbrücken zeigen, dass der Voltaire-Weg  und Schloss Moyland dort bereits als nächstes Reiseziel aufgenommen und eingeplant wurden.“

Text G. Semrau-Lensing für den Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering

www.kermisdahl-wetering.de

www.bedburg-hau.de